Homöopathie
Vortrag von Herrn Dr. Chresten Godt
gehalten am 21. April 2001 beim Wochenendtreffen des Landesverbandes
- Was ist Homöopathie?
- Wie wendet man sie an und bei welchen Erkrankungen?
- Gibt es Erfahrungen mit Homöopathie beim Rett-Syndrom?
- Adressen und Kosten
Was ist Homöopathie?
Die Homöopathie ist ein Heilsystem, welches auf dem Ähnlichkeitsprinzip gegründet
ist. Ihr Name setzt sich aus den griechischen Wörtern homoion (ähnlich) und pathos
(Leiden) zusammen.
Begründer und Entdecker der Homöopathie war der Arzt, Apotheker und Chemiker Dr.
Samuel Hahnemann (geb. 1755 in Meißen, gest. 1843 in Paris).
Similia similibus curentur.
Ähnliches mit Ähnlichem heilen.
Dies ist der zentrale Therapieansatz der Homöopathie. Konkret heißt das, ein
Arzneimittel, das beim Gesunden bestimmte Reaktionen hervorrufen kann, heilt dieselben
Symptome beim Kranken.
Hahnemann hatte im Jahr 1790 nach einem Selbstversuch mit der Chinarinde, die damals
als Heilmittel gegen Malaria bekannt war, begonnen, diese Erscheinungen zu untersuchen.
Nach der Einnahme gewisser Mengen von Chinarindenpulver erkrankte er und bekam für
kurze Zeit malaria-ähnliche Symptome. Er folgerte, dass hier ein Zusammenhang bestehen
müsse und prüfte mit einer Gruppe von Freiwilligen über Jahre hinweg viele Arzneistoffe,
wobei die auftretenden Symptome genau notiert wurden (Arzneimittelprüfung am Gesunden).
Auf diese Weise entstanden Arzneimittelkenntnisse, die Aufschluss darüber
geben, welche Wirkungen ausgesuchte Substanzen im menschlichen Organismus hervorrufen.
In weiteren langjährigen Experimenten stellte er fest, dass nur derjenige Stoff
in der Lage ist, später in seiner potenzierten Form einen kranken Menschen zu heilen,
dessen Prüfungssymptome dem Krankheitszustand des Patienten ähnlich sind. So kann
z.B. ein bestimmter Kopfschmerz nur von einem Mittel geheilt werden, das am Gesunden
einen ähnlichen Kopfschmerz erzeugt.
Die Homöopathie ist eine Reiz-und Regulationstherapie. Mit Hilfe des homöopathischen
Mittels wird im Körper ein Reiz gesetzt, auf den der Organismus antworten muss.
Diese Antwort hat zur Folge, dass die Regulationsmechanismen in Gang gesetzt, beschleunigt
und optimiert werden, wenn sie vorher durch eine Krankheit in ihrer Effizienz beeinträchtigt
wurden.
Das Homöopathikum erzeugt selbst keine direkte Wirkung, es wirkt indirekt über die
Aktivierung der Regelkreise des Körpers.
Homöopathie ist die Gabe eines Informationsträgers zur Herstellung der natürlichen
Regelkreise im Körper.
Analogiebeispiele:
Die richtige Telefonnummer (Information) kann zu entscheidenden Verbindungen führen.
Die richtige Ziffernkombination (Information) auf der EC-Karte bringt den stockenden
Geldfluss wieder zum fließen.
Die Homöopathie ist eine arzneiliche Regulationstherapie, welche die Selbstheilungs-
und Regulationskräfte des Organismus anregt .Wie dieser Anstoß zur Selbstheilung
durch den Arzneireiz zustande kommt, darüber gibt es Theorien aber kein bewiesenes
Wissen.
Es gibt noch andere Reiz- bzw. Regulationstherapien:
- Bachblüten
- Akupunktur
- (Laser-Akupunktur)
- Akupressur
- Reflexzonen (Fuß, Hand)
- Cranio-Sacral-Therapie
- Farblichttherapie
u. anderes.
Grundsätzlich kann man verschiedene Wirkprinzipien von Therapien bzw. Medikamenten
unterscheiden:
- Substitution: Ersatz fehlender Stoffe: z.B. Insulin bei Diabetes
- Kompensation: Ausgleich defekter Systeme : z.B. Digitalis bei Herzschwäche
-
Suppression: Unterdrückung unerwünschter oder überschiessender Reaktion
(z. B. Cortison, Immunsuppression, ß-Blocker, Antikonvulsiva) - Regulation: Steuerung krankhafter Prozesse: Immunstimulation, Homöopathie
Die klassische Homöopathie stützt sich auf drei Säulen:
1. Das Ähnlichkeitsprinzip: "Similia similibus curentur - Ähnliches soll
durch Ähnliches geheilt werden".
2. Arzneimittelprüfungen am gesunden Menschen.
Tierversuche werden in der Homöopathie nicht durchgeführt. Sie sind nicht nötig.
3. Das Potenzieren von Heilmitteln, ein spezielles dynamisches Verdünnungsverfahren.
Homöopathische Mittel werden nicht einfach verdünnt sondern potenziert Ohne stufenweises
Vorgehen und Verschütteln also durch bloßes Verdünnen ist die Substanz homöopathisch
nicht wirksam. Durch das Potenzieren wird die energetische Information des Mittels
freigesetzt. Was versteht man im homöopathischen Sinn unter Krankheit?: Die
Ursache einer Krankheit ist laut Hahnemann eine Störung der Lebenskraft. Die Symptome
sind nur der Spiegel der Krankheit, nicht die Krankheit selbst.
Wie wendet man sie an und bei welchen Erkrankungen?
In einem längeren Gespräch wird ein möglichst genaues Bild des erkrankten Patienten
erhoben. Dazu gehören seine körperlichen Beschwerden und Krankheiten (jetzt und
früher), seine psychische Befindlichkeit, Ängste, Sorgen, Lebensgrundsätze,... seine
Familienanamnese, sein soziales Umfeld, seine Biographie, ebenso wie die genaue
Beobachtung (Wahrnehmung) des Patienten.
Nur durch diese umfassende Anamnese kann ein genaues individuelles Bild des Patienten
gewonnen werden, für das eine Ähnlichkeitsbeziehung zu einer Arznei gefunden werden
kann.
In der Arzneifindung (Repertorisation, Arzneimittelwissen) wird diese Ähnlichkeitsbeziehung
zwischen Patient und Arznei gesucht und gefunden. Das bedeutet auch, dass gleiche
Erkrankungen bei verschiedenen Menschen häufig ganz verschiedene homöopathische
Arzneien brauchen, da nicht die Erkrankung an sich zum Mittel führt, sondern das
individuelle Gesamtbild des Menschen.
Der Vorgang der Arzneimittelfindung dauert oft eine längere Zeit, es gelingt auch
nicht immer, sofort die passende Arznei zu finden. Es ist vergleichsweise wie die
Suche nach dem richtigen Schlüssel, der zu einem bestimmten Schloss passt, oder
wie die Suche nach der richtigen Ziffernfolge bei einem Zahlenschloss.
Ist durch die Arzneimittelfindung das passende Mittel gefunden worden, erfolgt anschließend:
- die Arzneigabe oder Arzneiverordnung
- die Beobachtung einer etwaigen Arzneireaktion
- eine genaue Verlaufskontrolle
Wirkweise
Die Wirkungsweise homöopathischer Heilmittel ist bis heute
nicht geklärt. Es gibt einige plausibel erscheinende Erklärungsmodelle. Die Wirksamkeit
einer Methode hängt aber nicht davon ab, ob wir ihren Wirkmechanismus genau erklären
können oder nicht. Der Apfel fällt zu Boden, obwohl wir die Anziehungskraft der
Erde nicht erklären können, wir können sie nur feststellen.
Potenzierte homöopathische Heilmittel wirken. Durch das Potenzieren wird die energetische
Information des Mittels freigesetzt . Die Information wird auf das Lösungsmittel
übertragen und kann so biologische Vorgänge auslösen, indem es die Selbstheilungskräfte
des Organismus anregt.
Schwierigkeiten und Grenzen
Die Grenzen der Methode liegen:
- in der Art der Erkrankung
- in der Regulationsfähigkeit des Patienten
- im Wissen und Können des behandelnden Arztes
- in der Tatsache, dass das verfügbare Wissen in der Homöopathie trotz der 200
Jahre Erfahrung immer noch unvollständig ist, d.h. es gibt noch viele Substanzen,
die noch nicht geprüft sind, und die evtl. auch der Schlüssel zu schwierigen Erkrankungen
sein könnten.
Indikationen für eine homöopathische Behandlung:
- CHRONISCHE KRANKHEITEN
- AKUTE KRANKHEITEN
- KÖRPERLICHE und SEELISCHE KRANKHEITEN
- PSYCHOSOMATISCHE KRANKHEITEN
- KRANKHEITEN, die man HEILEN kann
- KRANKHEITEN, die man "nur" BESSERN kann
- HOMÖOPATHIE ALS ALLEINIGE Methode oder in KOMBINATION mit ANDEREN Methoden.
Überall, wo Prozesse gestört, d.h. regulierbar sind, ist die Homöopathie wirksam.
Zerstörtes und Fehlendes kann homöopathisch jedoch nicht ersetzt werden.
Zerstörte und fehlende Strukturen ziehen aber immer gestörte Regulationen nach sich,
die homöopathisch beeinflussbar sind.
Mögliche Reaktionen auf ein homöopathisches Mittel:
- Erstverschlimmerung, dann Besserung
- Langsame Besserung
- Unvollständige Besserung
- Keine Reaktion
Die Homöopathie ist eine sehr anspruchsvolle komplizierte Behandlungsmethode
und gehört daher in die Hände von gut ausgebildeten Homöopathen. Es gibt mehr als
2000 homöopathische Arzneimittel. Das Finden eines passenden Mittels gleicht dem
Suchen nach der richtigen Ziffernkombination eines verschlossenen Tresors oder der
richtigen Telefonnummer.
Allein die Gabe von homöopathischen Mitteln ist keine Homöopathie.
Die Homöopathie erfordert manchmal sehr viel Ausdauer und Geduld auf Seiten des
Patienten und auch auf Seiten des Behandlers.
Es gibt vermutlich einige zu behandelnde Schichten bei schwierigen chronischen Erkrankungen,
die je nach Schicht ein neues Mittel bräuchten. D.h. bildlich gesprochen steht man
nach einer geöffneten Tür vor der nächsten verschlossenen, die es zu öffnen gilt.
Gibt es Erfahrungen mit Homöopathie beim Rett-Syndrom?
Erfahrungen in der Behandlung des Rett-Syndroms mit der homöopathischen Therapie
sind mir nur sehr wenige bekannt. Die bisherigen Erfahrungen scheinen sich (lediglich)
in einer Besserung von zusätzlichen Erkrankungen wie z. B. Infekte des oberen Atemwege
aber auch in Begleitsymptomen des Rett-Syndroms zu liegen. Dazu gehört auch eine
günstige Beeinflussung der Bereitschaft zu epileptischen Anfällen, der Aufmerksamkeit
und insgesamt der psychischen Verfassung. Bisher aber sind nach meiner persönlichen
Erfahrungen mit meiner Tochter die bisherigen Ergebnisse für mich (noch?) nicht zufriedenstellend, auch wenn sie deutlich auf einzelne Mittel reagiert hat. Mehr
Erfahrungen sind wünschenswert. Wünschenswert sind auch weitere Arzneiprüfungen
von bisher nicht oder wenig bekannten Mitteln. Helium und Neon scheinen mir z.B.
neue interessante Mittel zu sein.
Adressen und Kosten
Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte
DZVHÄ-Geschäftsstelle
Am Hofgarten 5
53113 Bonn
Tel.: 0228 - 24.25.330
Fax.: 0228 - 24.25.331
dzvhae@aol.com
Die Kosten müssen bisher meist privat getragen werden und sollten vorher erfragt
werden. Sie liegen für die Erstanamnese meist (nach der Gebührenordnung für Ärzte)
je nach Zeitaufwand bei ca. 360 DM. Folgekonsultationen liegen bei der Hälfte.
gez. Dr. Chresten Godt
