Projektbeschreibung

Das Rett Syndrom ist durch Veränderungen (Mutationen) im MeCP2 Gen verursacht.
Obwohl nicht restlos geklärt ist welche zellulären Veränderungen die Erkrankung
bedingen, geht man davon aus, dass das Rett Syndrom durch einen MeCP2 Proteinmangel
im Gehirn verursacht wird. Unter dieser Annahme ist es vorstellbar, dass die Verabreichung
vom MeCP2 Protein bei Rett Patientinnen eine therapeutische Wirkung erzielen könnte.
Da die wesentlichen zum Rett Syndrom führenden pathologischen Veränderungen im Gehirn
stattfinden, sollte dies das Zielorgan der Therapie sein. Das Einführen von Substanzen
ins Gehirn ohne nennenswerte Nebenwirkungen zu verursachen und ohne dass die natürliche
anatomische Isolation dieses lebenswichtigen Organs geschwächt wurde, ist jedoch
eine schwierig zu lösende Aufgabe. Allerdings gibt es Organismen, wie z.B. Viren,
die eine natürliche Fähigkeit haben relativ problemlos das Gehirn erreichen zu können.
Einige virale Proteine und deren Aminosäuren Sequenz, die frei zelluläre Membranen
einschließlich die Hirn-Blut Schranke durchqueren können, sind identifiziert worden.
Eines dieser Proteine stammt aus dem HIV-I Virus, das sog TAT Protein. Mehrere Untersuchungen
haben gezeigt, dass 11 Aminosäuren des TAT Proteins die Fähigkeit haben frei die
Zellmembranen durchqueren zu können (dieser Prozess wird Transduktion genannt).
Es wurde außerdem gezeigt, dass das Zusammenfügen dieser 11 Aminosäuren mit einem
anderen Protein, diesem dann die Fähigkeit gibt ebenso frei in die Zellen einzudringen.

Das Projekt wird versuchen ein Fusionsprotein von MeCP2 mit den o.g. 11 Aminosäuren
mit gentechnischen Methoden herzustellen. Nach erfolgreicher Herstellung dieses
Proteins wird seine Transduktionsfähigkeit und Wirksamkeit zunächst in Zellkulturen
von normalen Personen bzw. Mäusen und Rett Patientinnen getestet. Bei Erfolg
versprechenden
Ergebnissen wird dieses neue Molekül dann in lebenden Tieren sowie Rett Mausmodellen
getestet. Erst diese letzten Experimente werden die therapeutische Wirksamkeit und
die Nebenwirkungen erfassen können. Diese Testreihen werden dann zeigen, ob dieses
System auch eine vertretbare Therapie auch für den Mensch darstellen könnte. Falls
diese Frage bejaht wird, sind klinische Studien an Menschen nach sorgfältiger Prüfung
durch die entsprechenden Behörden und der Ethik Kommission in Erwägung zu ziehen.

Für das Projekt werden eine biologische Post-Doktoranden Stelle (40.000 bis 60.000
€ jährlich) und 25.000 € Verbrauchsmaterial benötigt. Die Gesamtsumme beträgt
ca.
130.000 - 160.000 €. Das Geld ist zweckgebunden und darf nur für Forschung und Therapie
benutzt werden. Anzumerken ist, dass durch die Etablierung der o.g. Technologie
möglicherweise auch andere genetisch bedingte Erkrankungen therapiert werden können.

Dr. Franco Laccone

Universität Göttingen